Samstag, 4. August 2012

Der Spinalnerv

Unter dem Begriff Spinalnerv (Nervus spinalis) versteht man die aus dem Rückenmark entspringenden Nerven. Sie gehören zum Peripheren Nervensystem. In Höhe eines jeden Wirbels tritt ein solches Spinalnervenpaar aus dem Wirbelkanal.

Anteile eines Spinalnervens

Jeder Spinalnerv hat einen efferenten und afferenten Anteil. Die Somata (Zellkörper) dieser Neurone bezeichnet man auch als Wurzelzellen.
Die Afferenzen leiten die über Rezeptoren registrierten Empfindungen aus dem Körper und von der Körperoberfläche zum Rückenmark. Ihre Zellkörper liegen im Spinalganglion (Ganglion spinale), also außerhalb des Rückenmarks, aber bereits innerhalb des Wirbelkanals. Ihre Axone ziehen über die Radix posterior (bei Tieren Radix dorsalis) in die graue Substanz des Rückenmarks oder über die weiße Substanz zum Gehirn, wo die bewusste Wahrnehmung erfolgt.
Die Soma der motorischen Efferenzen (für die Bewegung zuständigen) liegen in der grauen Substanz des Rückenmarks. Sie bilden über die gesamte Länge des Rückenmarks die sogenannte motorische Kernsäule. In jedem Segment treten Axone über die Radix anterior/ventralis aus dem Rückenmark und vereinigen sich mit den ankommenden Afferenzen zu einem gemeinsamen Stamm (Truncus nervi spinalis). Die motorischen Efferenzen werden unter dem Begriff unteres Motoneuron (LMN, vom englischen lower motoneuron) zusammengefasst.
Im Bereich des Brust- und Lendenabschnitts des Rückenmarks gibt es auch sympathische Wurzelzellen. Sie liegen im Nucleus intermediolateralis der grauen Substanz und ziehen ebenfalls zum Truncus nervi spinalis. Über einen weißen Verbindungsast (Ramus communicans albus) ziehen sie dann zum Grenzstrang, in dessen Ganglien sie auf das zweite Neuron umgeschalten werden. Über einen grauen Verbindungsast (Ramus communicans griseus) zieht dann ein Teil der Axone wieder zum gemeinsamen Spinalnervenstamm.
Im Bereich des Kreuzmarks gibt es parasympathische Wurzelzellen. Diese Efferenzen ziehen ebenfalls zum gemeinsamen Spinalnervenstamm. Sie sind für die Versorgung der unteren Bauch- und Beckeneingeweide zuständig.

Verlauf außerhalb des Wirbelkanals

Der Truncus nervi spinalis verlässt den Wirbel über das Zwischenwirbelloch (Foramen intervertebrale). Dort teilt er sich in einen
  • Ramus posterior (Tiere: Ramus dorsalis) für die Versorgung der Haut und Muskulatur des Rückens
  • Ramus anterior (Tiere: Ramus ventralis) für die Versorgung der Haut und Muskulatur der bauchseitigen Körperteile.
Das von einem Spinalnerven versorgte Hautgebiet bezeichnet man als Dermatom, die versogten Muskeln als Myotom.

Plexus

Insbesondere im Bereich der Gliedmaßenursprünge bilden die Rami anteriores/ventrales der Spinalnerven Nervengeflechte (Plexus) mit ihren Nachbarn. Dabei mischen sich Fasern mehrerer Rückenmarkssegmente und formen wiederum Nerven. Jeder dieser Plexusnerven hat somit Anteile mehrerer Rückenmarkssegmente. Der Vorteil dieser Neuordnung ist, dass es bei Schädigung eines Rückenmarkssegments nicht zu einem Totalausfall des Plexusnerven kommt, da die Nachbarsegmente ebenfalls Fasern beisteuern. Daher kommt es bei so einer Schädigung nicht zu einer vollständigen Lähmung (Paralyse) der versorgten Muskeln, sondern nur zu einer eingeschränkten Bewegungsstörung (Parese).
Das Nervengeflecht für den Arm (Vorderbein) heißt Plexus brachialis, das für das (Hinter-)Bein Plexus lumbosacralis.

Mittwoch, 1. August 2012

Der Axis Halswirbel

Der zweite Halswirbel des Menschen wird Axis genannt. Sein Name rührt daher, dass der Axis oder Dreher in enger Verbindung mit dem ersten Halswirbel, Atlas, an den Kopfgelenken beteiligt ist und vor allem die Drehung des Kopfes ermöglicht.

Form

Der Axis unterscheidet sich durch seine Form von allen anderen Wirbeln. Der Wirbelkörper ist relativ groß und massiv. Hervorstechendes Merkmal ist der Dorn oder Zahn des Axis, Dens axis, auf der Oberseite des Wirbelkörpers. Er stellt ontogenetisch den Wirbelkörper des Atlas dar und liegt auch genau dort, wo diesem fast ringförmigen Wirbel der Körper fehlt. Der Dens geht von der Oberseite des Wirbelkörpers gerade nach oben, besitzt auf seiner Vorder- und Rückseite eine Gelenkfläche und endet mit einer abgerundeten Spitze.

Auf beiden Seiten des Axis geht je ein kurzer Processus transversus ab, der halswirbeltypisch eine runde Öffnung, Foramen transversarium, für die Arteria vertebralis umschließt. Nach dorsal hin schließt sich der ebenfalls recht massive Wirbelbogen an, an dessen dorsalem Ende der kurze, gegabelte Dornfortsatz (Processus spinosus) liegt. Auf der Ober- und Unterseite liegen je zwei Gelenkfortsätze (Processus articularis superior bzw. inferior) für die Verbindung mit den beiden angrenzenden Wirbeln.

Gelenke

Die Gelenke und Bänder des oberen und unteren Kopfgelenkes werden im Artikel zum Atlas besprochen, da Atlas und Axis hier eine funktionelle Einheit bilden. Nach unten hin artikuliert der Axis mit seinen beiden Processus articulares superiores mit den Processus articulares inferiores des dritten Halswirbels und bildet ein normales Zwischenwirbelgelenk (Articulatio zygapophysialis).

Verletzungen

Bei Verletzungen hat sich zusätzlich zur Schulmedizin die Heranziehung eines Chiropraktikers als sehr vorteilhaft erwiesen.

Montag, 30. Juli 2012

Rippen und die Chiropraktik

Als Rippe (lat. Costa, Plural Costae, Adjektiv costalis) bezeichnet man die stabförmigen Knochen des Brustkorbes, die rückenseitig an der Brustwirbelsäule entspringen. Eine Normvariante ist beispielsweise die Gabelrippe.

Aufbau

Jede Rippe besteht aus einem wirbelsäulenseitigen Rippenknochen (Os costale) und bei den Säugetieren zusätzlich aus einem knorpligen Abschnitt, dem Rippenknorpel (Cartilago costalis). Der Spalt zwischen zwei aufeinander folgenden Rippen wird als Interkostalraum (Zwischenrippenraum, Spatium intercostale) bezeichnet. Dieser Raum ist durch die Musculi intercostales externi und interni ausgefüllt.
Die Rippen stehen gelenkig mit der Wirbelsäule in Verbindung. Jede Rippe berührt dabei zwei aufeinander folgende Wirbel. Die erste Rippe liegt zwischen letztem Hals- und ersten Brustwirbel. Die Verbindung mit dem Wirbelkörpern übernimmt das Rippenköpfchen (Caput costae), dessen Gelenkfläche (Facies articularis capitis costae) zweigeteilt ist. Unterhalb des Rippenköpchens verjüngt sich die Rippe zum Rippenhals (Collum costae). Am Rippenhals befindet sich der Rippenhöcker (Tuberculum costae), der ebenfalls eine Gelenkfläche (Facies articularis tuberculi costae) trägt, die mit dem Querfortsatz des gleichzähligen Brustwirbels ein Gelenk bildet.
Der sich in Richtung Brustbein anschließende Teil ist der Rippenkörper (Corpus costae). Er trägt an der Innenseite eine Furche (Sulcus costae), in der die Interkostalnerven und -blutgefäße verlaufen. Der Rippenkörper geht in der Rippenfuge in den Rippenknorpel (Cartilago costae) über.

Einteilung und Anzahl

Die Anzahl der Rippen entspricht der tierartlich variierenden Anzahl der Brustwirbel. Die oberen (bei Tieren vorderen) Rippen sind bei den Säugetieren über den Rippenknorpel direkt mit dem Brustbein (Sternum) verbunden. Diese bezeichnet man als sternale Rippen. Die unteren (hinteren) Rippen setzen am knorpeligen Rippenbogen (Arcus costalis) an, man nennt sie asternale Rippen. Die letzten Rippen können frei in der Bauchwand als sogenannte "Fleischrippen" (Costae fluctuantes).
Der Mensch hat 12 Rippenpaare, die oberen sieben Rippen sind sternale, die achte bis zehnte asternale und die unteren beiden enden frei in der Muskulatur.
Haushund, Hauskatze, Hausrind, Hausziege und Hausschaf besitzen in der Regel 13 Rippen. Das Hausschwein hat 14-15 (teilweise auch 16) Rippen, das Hauspferd 18 Rippen.

Mittwoch, 25. Juli 2012

Das Rückenmark und seine gesundheitliche Bedeutung

Das Rückenmark (Medulla spinalis) ist der Teil des Nervensystems, der innerhalb der Wirbelsäule verläuft. Zusammen mit dem Gehirn bildet es das ZNS.

Anatomie

Das Rückenmark ist von den selben Hüllen umgeben wie das Gehirn. Es ist wie die Wirbelsäule segmental aufgebaut. In Höhe eines jeden Wirbels tritt beiderseits ein Rückenmarks- oder Spinalnerv in den Wirbelkanal ein. Dieser teilt sich dann in seinen afferenten (zuführenden) und efferenten (wegführenden) Anteil. Die Afferenzen ziehen von hinten (bei Tieren oben) als Radix posterior bzw. dorsalis (Tiere) in das Rückenmark. Die efferenten kommen aus der Radix anterior/ventralis. Diese Radices (Wurzeln) erscheinen wie ein Büschel aus Faserbündeln. An zwei Stellen ist das Rückenmark deutlich verdickt. Zum einem in der Intumescencia cervicalis, wo zusätzlich zu den Nerven des Körpers die des Arms (Vorderbeins) entspringen. Zum anderen in der Intumescencia lumbalis, wo die Nerven für das (Hinter-)Bein entspringen. Zum Ende hin läuft das Rückenmark spitz aus (Conus medullaris).

Während des Wachstums des Menschen wächst die Wirbelsäule schneller als das Rückenmark, so dass das Rückenmark auf Höhe des 1. Lendenwirbel endet (sogenannter Ascensus, "Aufstieg"). Auch bei den übrigen Säugetieren bleibt das Längenwachstum des Rückenmarks hinter dem der Wirbelsäule zurück, hier endet das Rückenmark in Höhe der hinteren Lendenwirbel. Bei Vögeln tritt dies nicht auf.
Dieser Umstand erlaubt eine Lumbalpunktion, bei der Liquor zu diagnostischen Zwecken aus dem Wirbelkanal entnommen wird, ohne Gefahr zu laufen, das Rückenmark zu verletzen.
Eine weitere Konsequenz der Rückenmarksverkürzung ist, dass die zugehörigen Nervenfasern weiter kaudal (schwanzwärts) aus dem Wirbelkanal austreten als sie aus dem Rückenmark entspringen. Dies verstärkt sich um so weiter kaudal man geht. Die Spinalnerven verlaufen dadurch eine immer größere Strecke im Wirbelkanal. Am Rückenmarksende entsteht dadurch ein kaudal ziehendes Bündel der Kreuz- und Schwanznerven, der sogenannte Pferdeschweif (Cauda equina).

Innerer Aufbau

Im Rückenmark sind die Nervenfasern und die Perikaryen der efferenten Nervenzellen angesiedelt. Die Perikaryen der afferenten Nerven liegen in einem Ganglion (Ganglion spinale) außerhalb des Rückenmarks, aber noch im Wirbelkanal.
Bei einem Schnitt durch das Rückenmark fällt eine schmetterlingsähnliche, graue Form auf, die außen von einer weißen Substanz umgeben ist. Die weiße Substanz (Substantia alba) besteht aus den Fortsätzen (Axone und Dendriten). Die graue Substanz (Substantia grisea) enthält die Perikaryen der efferenten Rückenmarksneurone. Hier sind auch die Interneurone zu finden, die direkt Verbindungen und Beeinflussung zwischen einzelnen Neuronen ermöglichen. Im Zentrum der Schmetterlingsstruktur aus grauer Substanz gibt es einen Hohlraum, der über die gesamte Länge den Zentralkanal (Canalis centralis) des Rückenmarks bildet. Er ist der Überrest des Lumens des Neuralrohrs, aus dem das Rückenmark beim Embryo entsteht. Der Zentralkanal ist mit Liquor cerebrospinalis gefüllt, bei älteren Individuen kann er sich auch verschließen (obliterieren).

Schäden des Rückenmarks

Schäden des Rückenmarks können durch Druck (z.B. durch Tumor oder Bandscheibenvorfall), Durchtrennung (Querschnittslähmung), Entzündungen, Durchblutungsstörungen oder degenerative Prozesse ausgelöst werden. Eine Durchtrennung des Rückenmarks ist nach heutigem medizinischen Kenntnisstand irreperabel.

Sonntag, 22. Juli 2012

Die Osteoporose und die Heilungschancen

Die Osteoporose ist ein übermäßiger Abbau der Knochensubstanz, der das ganze Skelett betrifft. Die Krankheit ist daher auch als Knochenschwund bekannt. Das typische Merkmal der Osteoporose ist eine Abnahme der Knochenstabilität, was zu einer erhöhten Gefahr von Knochenbrüchen führt. Zur Diagnose wird die Knochendichtemessung herangezogen.
Die Osteoporose ist eine zunächst unmerklich verlaufende Erkrankung, die aber im Fall von Knochenbrüchen, insbesondere bei alten Menschen, eine hohe Krankheitslast (Schmerzen, Bettlägrigkeit, manchmal dauernde Immobilisierung) bedeutet und mit jährlich etwa 2,5-3 Mrd. Euro an direkten und indirekten Krankheitskosten in Deutschland auch ein großes volkswirtschaftliches Gewicht hat. Deshalb wurde sie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf die Liste der 10 wichtigsten Erkrankungen gesetzt. (Von Kritikern wird angeführt, dass die Neubewertung der Osteoporose in den letzten Jahren durch die Pharmaindustrie gesteuert sei, die einen Absatzmarkt für neue Medikamente schaffen wolle.)
Man unterscheidet zwei Hauptarten der Osteoporose, die primäre und die sekundäre Osteoporose. Zur wesentlich häufigeren primären Osteoporose zählen die postklimakterische Osteoporose und die Altersosteoporose. Die sekundäre Osteoporose tritt in der Regel als eine Folge von Stoffwechselerkrankungen bzw. hormonellen Störungen auf.
Man geht davon aus, dass in Deutschland ca. 30% aller Frauen nach dem Klimakterium an primärer Osteoporose erkranken. Für Männer ist ab dem ca. 70. Lebensjahr die Altersosteoporose ebenso ein häufiges Krankheitsbild.
Knochenbrüche bei Osteoporose finden sich insbesondere an den Wirbelkörpern der Wirbelsäule, am Oberschenkelhals und am Handgelenk.

Ursachen

  • familiäre Veranlagerung (Verwandte mit Osteoporose)
  • Mangel an Sexualhormonen (durch eine Störung des Gleichgewichts zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau kommt es zum Verlust an Knochenmasse.)
  • Schilddrüsenüberfunktion, übermäßige Cortison-Produktion der Nebennierenrinde (Morbus Cushing)
  • Ernährungsfehler, also Mangel an Calcium und Vitamin D (Calcium gibt dem Knochen seine Festigkeit und Vitamin D regelt die Aufnahme von Calcium aus der Nahrung)
  • Bewegungsmangel (da Bewegung und Belastung die Knochenmasse vermehrt.)
  • übermäßiger Nikotin- und Alkoholkonsum
  • hochdosierter und regelmäßiger Gebrauch bestimmter Medikamente wie z.B. Cortison (zur Behandlung von Rheuma, Asthma oder Allergien) oder Heparin (zur Hemmung der Blutgerinnung).
  • (Alternativmediziner sehen auch in einer hypothetischen Übersäuerung des Körpers (Azidose) eine Ursache der Osteoporose.)

Behandlungsmöglichkeiten der Osteoporose

  • vermehrte körperliche Aktivität schützt vor Knochenschwund
  • ausreichendes Sonnenlicht (fördert die Vitamin-D-Produktion der Haut)
  • vermehrte Calcium-Aufnahme (ca. 1 g/Tag) (Basistherapie DVO)
  • Vitamin-D3-Einnahme (Basistherapie DVO)
und Pharmakotherapie nach den Leitlinien der DVO:
  • Bisphosphonate (Alendronat und Risedronat)
  • Raloxifen (SERM) (nur zur Verhinderung von Wirbelkörperfrakturen)
auch in Verwendung:
  • Parathormon (Teriparatid = Parathormonanalogon, wird wahrscheinlich in die Leitlinien aufgenommen)
  • Strontium (Zulassung von Protelos(R) seit 2004; die Knochendichtemessungen werden durch die Einlagerung von Strontium verfälscht, es gibt jedoch einen Umrechnungsfaktor)
  • Calcitonin
  • Fluoride (obsolet; entwickelt zwar harte, aber spröde Knochen, die leichter brechen können)
  • Östrogene (seit der Kritik an der Hormonersatztherapie nur sehr eingeschränkt in dieser Indikation)

Komplementärmedizin:

  • Einnahme von Basensalzmischungen (Übersäuerung des Körpers führt zu verstärktem Knochenschwund, da Calciumsalze als Puffersubstanzen Verwendung finden)
  • Magnetfeldtherapie: pulsierende elektomagnetische Felder stimulieren den Knochenaufbau
  • Besuch bei Heilpraktiker und/oder Chiropraktiker

Freitag, 20. Juli 2012

Die Arthrose und die Chiropraktik

Die Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, die zum rheumatischen Formenkreis gehört. Sie ist die häufigste Erkrankung (ca. 55%) innerhalb der rheumatischen Erkrankungen. Im Gegensatz zur Arthritis sind bei der Arthrose die Gelenke nicht entzündet, sondern abgenutzt. Von diesem Verschleiß ist insbesondere der Knorpel betroffen.

Symptome

Eine Arthrose beginnt schleichend und verläuft zunächst langsam. Eine anfängliche Verspannung am Gelenk kann im späteren Verlauf in starke Schmerzen übergehen. Zusätzlich kann es zu Veränderungen im Bereich der gelenknahen Knochen, der Gelenkschleimhaut und Gelenkkapsel, sowie der Muskulatur kommen. Als Folge können weiterhin auftreten: Schwellung des Gelenks, Gelenkerguß und zunehmende Deformation (Verformung) des Gelenks.

Verwandte Begriffe

Knorpelverschleiß, Gelenkverschleiß, Arthrosis deformans, Osteoarthritis (engl. für Arthrose)

Entstehung

Man unterscheidet zwischen der primären und der sekundären Arthrose. Die primäre Form entsteht durch eine dauerhafte Fehl- und/oder Überbelastung, zum Beispiel durch Schwerarbeit, erhöhtes Körpergewicht, Sport (sic!), Bewegungsmangel oder den natürlichen Alterungsprozess.
Die sekundäre Arthrose entsteht als Folgeschädigung einer Vorerkrankung. Das können zum Beispiel schlecht verheilte Knochenbrüche, eine Nekrose,Meniskusoperationen oder auch hormonelle Einflüsse sein.

Arthroseformen

Grundsätzlich kann Arthrose an jedem Gelenk auftreten. Die häufigsten Arthroseformen sind :
  • Kniegelenksarthrose - auch Gonarthrose genannt am Kniegelenk
  • Hüftgelenksarthrose - auch Coxarthrose genannt am Hüftgelenk
  • Sprunggelenksarthrose - am oberen und unteren Sprunggelenk
  • Daumengelenksarthrose - Rhizarthrose
  • Schultergelenk - Omarthrose
  • Spondylarthrose - Arthrose der Wirbelsäule
  • Herberden-Arthrose - Arthrose der Fingerendgelenke
  • Bouchard-Arthrose - Arthrose der Fingermittelgelenke
  • Rhizarthrose - Daumensattelgelenksarthrose
  • Hallux rigidus - Arthrose des Großzehengrundgelenkes
  • Hallux valgus - Fehlstellung des Grosszehens
  • Wirbelsäulenarthrose - Spondylarthrose
  • Kreuz-Darmbeingelenk-Arthrose - Iliosakralgelenksarthrose
  • Polyarthrose, multiple Arthrose - wenn die Arthrose an vielen Gelenken gleichzeitig auftritt

Diagnose

Anamnese, Röntgen, CT, MRT, Arthroskopie

Therapie

Laut der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) ist bei Arthrose nur die Wirksamkeit von Analgetika (Schmerzmittel) belegt. Dazu gehören zum einen die Nicht-steroidalen-Antirheumatika (NSAR) wie zum Beispiel Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen, die besser magenverträglichen Cyclooxygenase 2-Hemmer (COX2-Hemmer, wegen gehäufter Herzinfarkte und Schlaganfälle in die Diskussion gekommen, Vioxx mußte vom Markt genommen werden) sowie die stark wirksamen Analgetika vom Morphin-Typ. Zur Funktionsverbesserung wird oft Krankengymnastik und die Chiropraktik eingesetzt. Zu den operativen Therapien der Arthrose gehören Abrasion und Arthrodese.

Mittwoch, 18. Juli 2012

Rheumatoide Arthritis

Die rheumatoide Arthritis (=chronische Polyarthritis) ist die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. Weltweit sind etwa 0,5 % - 1 % der Bevölkerung betroffen, in Deutschland schätzt man die Zahl der Erkrankungen auf 800 000, wobei Frauen 3x häufiger betroffen sind, als Männer. An der rheumatoiden Arthritis können Menschen aller Altersgruppen erkranken, am Häufigsten tritt sie jedoch zwischen dem 30. und dem 50. Lebensjahr auf. Es können jedoch auch Kinder betroffen sein, dies nennt man dann eine "juvenile Arthritis".Der Krankheitsbeginn ist oft plötzlich, mit Schmerzen in den kleinen Finger - oder Zehengelenken. Die betroffenen Gelenke schwellen an und sind überwärmt. Eine symmetrische (=beidseits auftretende) Synovitis der stammfernen Gelenke ist typisch. Morgens sind diese Symptome zumeist am Stärksten ausgeprägt, es handelt sich dabei um die symptomatische Morgensteife. Im Krankheitsverlauf werden immer mehr Gelenke befallen.

 

Ursache

Die Ursache für eine Erkrankung ist bislang ungeklärt. Es wird eine autoimmune Ursache diskutiert, bei der körpereigene Substanzen, z. B. der Gelenkknorpel von Zellen des Immunsystems angegriffen werden. Es wurde lange vermutet, daß beim Krankheitsbeginn auch Viren oder Bakterien eine Rolle spielen, jedoch sprechen neuere Daten dagegen. Außerdem gibt es einen genetischen Einfluß, so taucht die RA bei eineiigen Zwillingen häufiger als sonst in der Bevölkerung auf, außerdem wird RA mit bestimmten MHC bzw. HLA-Allelen assoziiert.

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt durch Labor, Klinik und bildegebende Verfahren.
  • Labor: Es wird nach Rheumafaktoren (RF) im Blut gesucht, die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und das C-reaktive Protein (CRP) getestet. Rheumafaktoren sind hierbei jedoch nicht beweisend, sondern nur hinweisend, da es auch andere Erkrankungen gibt, in denen Rheumafaktoren nachgewiesen werden können, und es auch Fälle von seronegativer Arthritis gibt.
  • Klink: Zählung schmerzhafter und geschwollener Gelenke, Patientenselbsteinschätzung
  • Bildgebende Verfahren: Zu Beginn und im Verlauf sind auch Röntgen- oder MRT-Untersuchungen erforderlich, um Schädigungen der Knochen (Erosionen) abschätzen zu können.

medikamentöse Behandlung

Neben der Unterstützenden Hilfe der Chiropraktik ist die Schulmedizin natürlich sehr sehr wichtig, da es über die Ursachen der Arthritis wenig gesicherte Kenntnisse gibt, erfolgt die Behandlung eher symptomatisch, d. h. schmerzlindernd, antiproliferativ und entzündungshemmend. Die Medikamente teilt man hierbei in 3 Gruppen ein:
  • NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika)
  • Kortikoide (z.B. Kortison)
  • Basistherapie: (=DMARD =disease modyfying antirheumatic drugs), z. B. Methotrexat oder Azathioprin. Neuere Basistherapeutika sind die "Biologicals", die in Form von Antikörpern, löslichen Rezeptoren oder Antagonisten gegen proinflammatorische Zytokine wie IL-1 oder TNF-alpha gerichtet sind.

Andere Gelenkentzündungen

Neben der rheumatoiden Arthritis gibt es eine Reihe weiterer ähnlicher Erkrankungen. Diese zählt man gemeinsam mit der Rheumatoiden Arthritis zum "Rheumatoiden Formenkreis":
  • Gicht Arthritis
  • infektiöse Arthritis
  • aktivierte Arthrose
  • autoimmun Arthritiden
    • rheumatisches Fieber
    • Psoriasisarthritis
    • postinfektiöse Arthritis
    • Crohnarthritis